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Die Opern

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Ich habe nie den Glauben an die Melodie verloren.

Für mich waren Dodekaphonie und Serielle Musik zwei fragwürdige Wege der Musikgeschichte. Nicht, weil sie neue Spielräume erschufen, das sei ihnen hoch angerechnet, doch wirkten ihre Priester und Apostel bürokratisch und einengend. Sie erschufen Regeln, die die Ausdrucksmöglichkeiten des Künstlers beschränkten und ihm vieles schlicht verboten. Tonalität wurde als erledigt abgetan und der herkömmliche Begriff von Schönheit als Naivität und Kitsch gebrandmarkt. Diese Zeiten sind glücklich überstanden, es gibt wieder etliche und sehr gute Komponisten, die sich der Schönheit verschrieben haben, wenngleich der Begriff an sich vage ist – und aus gutem Grund vage, der Subjektivität des kreativen Individuums überlassen bleiben muß. Für mich war die Tonalität (ich meine keine herkömmlich ausgelegte Definition dieses Begriffes, für mich ist auch Bergs Wozzeck tonal) stets eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Folgerichtig war die Rebellion dagegen und noch viel folgerichtiger die späte Einsicht, daß Kunst eben alles darf, was sie sich in den Kopf setzt.

Im katastrophalen zwanzigsten Jahrhundert wurde eine Übereinkunft vernachlässigt, die die Kunst mit dem Publikum jahrtausendelang getroffen hatte: Die (wechselseitige) Pflicht zu unterhalten. Die Folgen zeigen sich deutlich: Das Opernhaus ist zum Museum geworden, in dem ein Repertoire der 150 immergrünen Werke gepflegt wird. Dies kann auf Dauer nur den Tod der Gattung bedeuten, die Mumifizierung als sentimental bildungsbürgerliches Relikt. Ich glaube dennoch daran, daß die Oper eine Zukunft hat und diese Zukunft wieder wie selbstverständlich Opern hervorbringen wird, in die auch Menschen ohne elitäre Bildung pilgern. Wenn wir nur endlich den Mut haben, der alle paar Jahrzehnte immer wieder aufgebracht werden muß, den Mut, alles zu hinterfragen und neu zu verhandeln.

Ich glaube daran, daß man heute wie gestern und in hundert Jahren das Publikum mit sinnlicher Musik und intelligenten, spannenden Libretti abholen kann.

DAS NEUE MELOS – dieser Terminus wird hoffentlich nie so auftrumpfend und selbstbewußt daherkommen, wie manches verkündungsgeile Manifest jener finsteren Zeiten, als im Grunde mehr verboten wurde als erfunden. Ich bin ein Mann der Oper, will, daß sie wieder wird, was sie einmal war, eine andere Kirche, ein Hexenkessel, ein großer Zirkus, ein Panoptikum, ein Wechselbad der Gefühle, eine Wundertüte der Pandora, ein Forum der Überwältigung, mit allen dazu notwendigen Affekten und Effekten, ein Zauberland für alle, das bleibende Werke und Werte stiften will. Musik als Sex, Revolte, Ekstase und Ausdruck völliger Freiheit.