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Das Neue Melos

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Die Idee hinter dem Stück "NEUKÖLLNISCHE TRAGÖDIE" war, dem von Shakespeare gepflegten Blankvers neues Leben einzuhauchen und die Schauspieler in fast poetischem Stil deklamieren zu lassen. So kontrastiert Hochsprache in metrischer Perfektion mit dem Bühnengeschehen, das aus Niedertracht, Neid, Gemeinheit, Verschwörung und Mord besteht. Dieser Kontrast führt zu einer eigenartigen und grotesken, finsterschwarzen Komik.
In der Veroperung konnte der strenge Rhythmus der Verse nicht aufrechterhalten werden. Den Part des lyrischen Metrums übernimmt nun das Melos.
Während auf der Szene die Häßlichkeit menschlicher Abgründe vorherrscht, schwebt darüber eine weitenteils tonal-idyllische, manchmal beinahe barocken-schöne Musik. Die Sänger mimen dazu übertrieben, in Stummfilmmanier, bewegen sich rhythmisch, wippend, mit den Armen schwenkend, manchmal synchron, ohne daß ein Ballett draus würde. Die Darstellung muß absolut künstlich sein.


Synopsis
Als der arbeitslose Gottfried von seinem täglichen Zeittotschlagen nach Hause kommt, findet er seine Frau Sieglinde auf der Couch vor – und neben ihr hockt Mike, der neue Nachbar, der Bier und Wodka spendiert. Nach kurzen Irritationen schließen Mike und Gottfried Freundschaft, aber nur scheinbar. Sieglinde tanzt und singt eine Art Karaokenummer.
Während Gottfried immer betrunkener wird und im Fernsehen das Trauerspiel seines geliebten Fußballclubs verfolgt, bebalzt Mike hinter seinem Rücken die Frau des Hauses, recht erfolgreich – bis Nina erscheint, Gottfried und Sieglindes Tochter, eine noch ganz junge Supermarktkassiererin. Plötzlich interessiert sich Mike viel mehr für Nina als für deren Mutter, die darob erbost und traurig reagiert. Mike erklärt seine Großzügigkeit mit Gewinnen beim Online-Poker-Spiel und schafft es tatsächlich, Nina zu beeindrucken.
Immer neue Intrigen werden gesponnen, jeder der vier Beteiligten droht irgendwann zum Opfer eines niederträchtigen Ränkespiels zu werden. Am Ende, als Mike zögert, alles auf eine Karte zu setzen, ist er es, der sein Leben verliert, während Sieglinde und Gottfried, die sich lange nichts mehr zu sagen hatten, neu zueinanderfinden, in einem zynisch-lieblichen Schlußduett »Wir haben viel durchgemacht, wir zwei, doch waren große Nächte bei.«

Hörprobe
Noteperformer:
Vorspiel

Stand der Arbeit:

1. Fassung fertig
2. Fassung - Umarbeitung zur Neo-Operette. Fertigstellung ca. Sommer 2014

ERSTER und einziger AKT

GOTTFRIED (kehrt am frühen Abend nach Hause zurück.)
Weißt du, wo's Taubengift zu kaufen gibt?
Kirre macht mich diese Ödnis. Lang, zu lang,
hab ich den Boccia-Spielern zugesehn,
am Maybachufer, hab im Karstadt unten,
Probieroliven reingewürgt, im
Saturn am Alex neuste Fernsehtechnik
angestaunt. Oh Mann! Das geilt! Spitzt einen schon zu!
Konsum ist deprimierend ohne Kaufkraft.
Nicht mal den schrägsten Predigern zu lauschen,
bringt mir wirklich noch Spaß. Den halben Tag
hab ich verkackt beim Arbeitsamt und dann –
wer ist der Mann, der da an deiner Seit
sich suhlt und Bier aus meinem Kühlschrank trinkt?

SIEGLINDE
Der neue Nachbar ists. Das Bier indes
ist deines nicht. Er hat es mitgebracht,
ein Sechserpack Geschenkgetränk von Aldi.

GOTTFRIED
Dann seis mir recht. Salutiern will ich ihm!
Herr Nachbar sei mein Trinkkumpan. Sei denn –
daß er seinen Stinkeschwanz in dich
gesteckt hätt. Dann wäre Ende lustig, nie
ertrüg ichs, Rache nähm ich, heilger Eid!! –

SIEGLINDE
Fönst du mich mit gestelztem Wortschwall zu?
Pack deinen Hahnenkamm mal wieder ein.
Verdächtigt grober Unzucht werd ich? Das –
ist unerhört. Überblick verschaffe dir,
Gemahl, was präzise hier Sache ist:
Wir trinken, pflegen Scherzgeplauder, kucken
Zoofernsehn auf ARD.
Entheizt sich dein Gemütchen wieder?